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Auf der Impulse-Seite erscheinen kurze Denkanstöße zu den mehr "geistigen" Themen des Jahresplanes: Pfadfindergeist, religiöses Leben...

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3. Quartal: Pfadfindergeist/Religiöses Leben

Hingabe

Impuls 5, 01.06.-08.06.08



Warum Hingabe?


Hingabe ist eine riesige Herausforderung an jeden Menschen, so viel wissen wir jetzt schon. Warum sollen wir diese Herausforderung aber annehmen?

Die Antwort ist ganz einfach. Wir sollten ein Leben der Hingabe leben, weil es uns glücklich macht. Das ist jetzt natürlich erst einmal eine Behauptung, deren Beweis noch angetreten werden muss.

Vielleicht beginne ich diesen Beweis erst einmal mit meiner ganz persönlichen Erfahrung: Alle Menschen die ich kenne und die ein Leben der Hingabe leben, sind glücklich, viele Menschen dagegen, die das Gegenteil von Hingabe, nämlich Egoismus leben, sind es nicht. Das liegt aber nicht daran, dass die zuerst genannten Menschen z.B. ein einfacheres Leben mit weniger Problemen hätten als die Egoisten. Trotzdem erscheinen sie mir zumindest glücklicher.

Kann man das erklären? Ich glaube schon.

Denn Hingabe rückt zuerst einmal das „Ich“ an den Platz, wo es hingehört, wenn man glücklich sein will. Und das ist nicht der erste Platz, wie bei den Egoisten. Bei einem Egoisten wird jedes kleine Wehwehchen, jedes Problemchen zu einer ganz schlimmen Sache, denn sie betrifft ja die wichtigste Sache der Welt: Mich. Und wenn jemand anderes irgendetwas mehr hat oder etwas besser kann als ich, ist das ein Drama, denn eine völlig unwichtige Person (der andere) hat etwas oder kann etwas, das die wichtigste Person der Welt (ich) nicht kann. Das kann ganz schön deprimierend sein – oder stressig, weil man dann ja ständig damit beschäftigt ist, etwas für sich zu tun. Und das macht nicht so wirklich glücklich, weil man selber immer wieder merkt, dass man trotzdem nicht der Beste, Tollste, Reichste etc. wird. Und vor allem auch, weil einem kaum jemand dankt, sich kaum jemand freut, wenn ich wieder etwas für mich getan habe. Und sich ständig allein zu freuen und sich selbst auf die Schulter zu klopfen ist nicht unbedingt befriedigend.

Ein hingebungsvoller Mensch hat es da einfacher, denn die Sache, an die er sich hingibt hilft ihm erstens, seine eigenen kleinen Probleme und Wehwehchen in das richtige Licht zu rücken. Denn wer hingebungsvoll lebt, hat ein Ziel in seinem Leben und gibt seinem Leben einen Sinn, der außerhalb von einem selbst liegt.

So ein Ziel ist ziemlich wichtig, ja, vielleicht das Wichtigste im Leben. Denn wenn ich kein Ziel habe, wofür soll ich dann leben? Wenn ich nur mich selbst als Ziel habe, dann taugt das nicht viel, weil ich niemals wirklich perfekt sein werde. Und wenn ich dann in Schwierigkeiten komme, muss ich mir sagen, dass ich mein Ziel verfehlt habe. Das ist bitter.

Wenn ich aber in der Hingabe an etwas anderes lebe, dann ist es kein Weltuntergang, wenn es mir einmal schlecht geht, denn es kommt ja am Ende nicht auf mich an, sondern auf die Sache, der ich mich hingebe. Und ich brauche auch nicht neidisch auf andere Menschen zu sein, sondern ich kann sie als Freunde erfahren, besonders wenn sie sich für die gleiche Sache hingeben wie ich. Es macht dann gar nichts, wenn sie vielleicht besser sind als ich, denn wichtig ist vor allem der gemeinsame Dienst an der Sache.

Ich werde mich zusammen mit diesen anderen Menschen freuen können, wenn es der Sache gut geht. Wenn es der Sache schlecht geht, dann habe ich andere Menschen, die mit mir traurig sind und das macht es einfacher. Wenn ich mich für die Sache einsetze, werden andere Menschen mich loben und mir danken. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn ich mich für eine Sache hingebe, bekommt mein Leben einen Sinn. Und das ist höchst sinnvoll.


 



Hingeben ohne Lohn zu erwarten“ (Impuls 4, 18.05.-24.05.08)



Der Titel dieses Artikels stammt aus unserem Bundesgebet „Ewiges Wort“, das auf den heiligen Ignatius von Loyola zurückgeht. Wir beten dort: Ich will „mich hingeben ohne Lohn zu erwarten“.

Was bedeutet „Hingabe“?

Etwas hinzugeben bedeutet grundsätzlich einmal, etwas nicht für sich selbst zu behalten, sondern es abzugeben, hinzugeben. Aber etwas hinzugeben ist noch keine echte Hingabe. Echte Hingabe fordert, dass man nicht nur etwas von sich selbst hingibt, sondern sich selbst in ganzer Weise.

Ein Problem der Hingabe ist es, dass es sozusagen keine „halbe Hingabe“ gibt. Hingabe ist entweder vollständig und ganz, oder sie bleibt doch im Letzten irgendwie Egoismus.

Ich kann nicht sagen: „Ich gebe mich einer Sache hin“ und dann eine Einschränkung machen: „zumindest ein bisschen“ oder „bis fünf Uhr“.*

Warum macht das die Sache mit der Hingabe nicht gerade leichter? Weil wir uns dann ganz genau überlegen müssen, ob wir uns irgendwofür „hingeben“. Und wenn ja, wofür?

Damit wollen wir uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Ist es sinnvoll, sich hinzugeben? Und wenn ja, woran sollte man sich dann hingeben?

Für heute soll erst einmal eine grundlegende Erkenntnis reichen: Hingabe ist etwas, das den ganzen Menschen erfordert – und eine riesige Herausforderung für jeden.




* Es gibt zwar umgangssprachlich im Deutschen einen solchen Gebrauch des Wortes „Hingabe“, z.B. „er gab sich für drei Stunden seinem Werk hin.“ Aber hier bezieht sich das „hingeben“ ja nicht zuerst auf den Zeitraum der drei Stunden, sondern auf die Art und Weise, wie er an seinem Werk schafft: Hingegeben nämlich, d.h. ganz auf das Werk konzentriert, ohne dass ihn etwas davon ablenken kann.






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